Belgien “strahlt jetzt wunderschön”
Belgisch-deutsche Grenze: Aus AKW Tihange leckt offenbar radioaktives Wasser
Belgien “strahlt jetzt wunderschön”
Der Reaktor liegt nur 80 Kilometer von der deutschen Grenze: Aus dem belgischen Atomkraftwerk Tihange entweicht laut NRW-Umweltminister Johannes Remmel radioaktives Wasser.
Der Politiker fordert Aufklärung.
Die Belgier haben da aber scheinbar die Ruhe weg.
In Belgien sind zwei Kernkraftwerke mit sieben Reaktorblöcken und einer installierten Bruttogesamtleistung von 6.104 MW am Netz. Die Kernenergie trug im Jahre 2010 51,6 Prozent zur Gesamtstromerzeugung bei.
Der Reaktorblock Doel 1 ging am 28. August 1974 in Betrieb und ist der älteste noch genutzte.
Das Kernkraftwerk Tihange hat drei Reaktorblöcke und eine installierte Bruttoleistung von 3.129 MW.
| Tihange | 1 | Druckwasserreaktor | In Betrieb | 962 | 1.009 | 7. März 1975 | (2025) | 214.254 |
| Tihange | 2 | Druckwasserreaktor | In Betrieb | 1.008 | 1.055 | 13. Oktober 1982 | (15. Juni 2023) | 179.274 |
| Tihange | 3 | Druckwasserreaktor | In Betrieb | 1.015 | 1.065 | 15. Juni 1985 | (14. September 2025) | 174.535 |
1999 hat die Regierung Verhofstadt I, bestehend aus den Liberalen (Vlaamse Liberalen en Democraten und Mouvement Réformateur), den Sozialisten (Sociaal Progressief Alternatief und Parti Socialiste) und den Grünen (Groen! und Ecolo), eine Laufzeitbegrenzung der belgischen Reaktoren auf 40 Jahre festgeschrieben und dem Neubau von Atomkraftwerken eine Absage erteilt.
Eine Gesetzesvorlage, die den Ausstieg des Landes aus der Kernenergie bis zum Jahr 2025 vorsah, wurde am 6. Dezember 2002 vom Abgeordnetenhaus gebilligt und am 16. Januar 2003 auch vom Senat angenommen.
Im Frühjahr 2003 wurde eine neue Regierung gewählt, an der die Grünen nicht mehr beteiligt waren.
Im September 2005 entschied diese, die vorher gefällte Entscheidung teilweise rückgängig zu machen.
So wurde die Ausstiegsfrist um 20 Jahre verlängert, ebenso wurde eine Option für weitere Verlängerungen der Gesamtlaufzeit offen gehalten.
Dabei blieb unklar, ob neue Kernkraftwerke gebaut werden. Begründet wurde die Entscheidung damit, dass es unrealistisch sei, den Strom, der durch Kernkraftwerke erzeugt wird, zu ersetzen.
Die beiden einzigen realistischen Alternativen bestanden nach dieser Auffassung darin, mehrere Öl- und/oder Kohlekraftwerke zu bauen oder Strom aus dem Ausland zu importieren.
Während die erste Möglichkeit den Anweisungen des Kyoto-Protokolls widerspricht, erschien die zweite als teurer als das Betreiben der Kernkraftwerke.
Dies war einer der Hauptgründe, den Ausstieg rückgängig zu machen, weil es als unmöglich erschien, mehr als die Hälfte des Stromes aus erneuerbaren Energien zu beziehen.
Der Anteil erneuerbarer Energien in Belgien liegt derzeit bei 3-4 %. Das Land strebt bis 2020 an, 13 % des Energieverbrauchs auf erneuerbare Energien umzustellen (Stand 2010).
Im Oktober 2011 einigte sich die neue Regierung darauf, den Atomausstieg ab 2015 wie ursprünglich geplant umzusetzen.
Der aktuelle Regierungsplan sieht vor, dass alle Atomkraftwerke spätestens bis 2025 geschlossen werden sollen.
Der zwischenzeitlich erwogene Ausstieg aus dem Ausstieg aus der Kernenergie ist damit hinfällig.
Im normalen Betrieb entweichen kleine Mengen radioaktiven Materials vom Kernkraftwerk durch den Abluftkamin in die Umwelt. Dieses Material umfasst radioaktive Edelgase (Krypton-85) sowie das instabile Wasserstoffisotop Tritium, deren Entweichen gemessen wird und Auflagen unterliegt.
Durch Unfälle oder Störungen der Sicherheitsbarrieren können größere Mengen radioaktiven Materials in die Umwelt und in die Nahrungskette gelangen. Viele konstruktive Maßnahmen dienen dazu, das auch dann noch zu verhindern, wenn große Teile des Reaktors funktionsuntüchtig oder zerstört worden sind (siehe Auslegungsstörfall). Ein Beispiel dafür, dass Fehlbedienung zu einer Freisetzung von Radioaktivität führen kann, ereignete sich 1987 im KKW Biblis. Ein Ventil, das während des normalen Betriebs geschlossen sein sollte, schloss nicht. Die Betriebsmannschaft versuchte, es durch die Öffnung eines Prüfventils „frei zu blasen“, was nicht gelang. Durch die Prüfleitung entwich Kühlwasser des Primärkreislaufs. Die radioaktive Belastung der Umgebung des Kernkraftwerkes blieb unter den gültigen Grenzwerten, da weitere Barrieren wie Auffangbecken und Containment funktionierten.
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